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Nachdem wir die Städtekette abgeklappert haben, macht sich unsere Lecture-Reihe „ZUM LEUCHTEN“ auf zu einer Rundtour durch Thüringen. Die Idee ist ganz einfach: Als Plattform für Fotografie haben wir in den letzten drei Jahren Fotografieinteressierte verstreut im ganzen Land zusammengebracht, die nun zu sich nach Hause einladen und gemeinsam mit uns ihre „Lokalmatadoren“ vorstellen.

Das Land des Doppelkorns empfängt uns von seiner schönsten Seite. Hoch oben gelegen, neben dem Dom, umfasst von Stadtmauer ist die Jugendkunstschule. Inmitten Pinseln, Staffeleien machen wir es uns mit den 30 Gäste gemütlich. Vesko Gösel und Sebastian Weise werden in einem anregenden Gespräch aus ihrem Portfolio berichten. Dabei könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein.

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Sebastian Weise, der seit Kindesbeinen an fotografiert, will durch die Linse seine eigene „Weisesicht“ zeigen. Als professioneller Fotograf lebt er seit mehr als einem Jahr in Halle, kommt aber gebürtig aus Sondershausen. Er stellt den Zuschauern drei Arbeiten vor, die die Bandbreite seines Sujets darstellen: Ästhetik des Aufgebens, 20 Uhr am Rondell — Sandros letzter Weg und Heidenau (2015). Soviel können wir verraten: Letztere könnt ihr euch genauer in der nächste Ausgabe anschauen. Dort war Sebastian zwei Wochen nach der Tat und fotografierte in nur sechs Stunden die gesamte Serie. Während die anderen gebannt an seinen Lippen hängen, sagt er: „Ich kann dem da nichts Neues hinzufügen zu den Bildern aus den Flüchtlingsunterkünften.“ Deswegen sucht er nach neuen Metaphern für das, was er vorfindet und trifft auf eine Apfelplantage nahe des Ortes des Geschehens: „Die Apfelplantage mit ihrer Masse an Bäumen, die alle in Reih und Glied stehen — das war für mich ein Symbol für das.“ Mehr seht ihr ab dem 5. Dezember in unserer neuen Ausgabe: Die Schnauze voll.

Vesko Gösel, gebürtig aus Nordhausen, hat sich genauso wie Sebastian der Fotografie als Mittel seiner künstlerischen Arbeit verschrieben. Hier in der Jugendkunstschule hat damals seine Auseinandersetzung mit den Verfahren und Materialien der Fotografie in der Dunkelkammer begonnen: „Ich finde es interessant, was das Material mit mir macht“.

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Anders als Sebastian sind die Medien der Fotografie für ihn nicht Mittel zum Zweck, sondern Teil der Kunst. Durch Experimente mit Belichtung in Form von konkreter Fotografie oder Fotografie als Skulptur schafft er Werke, die sich auf einer Metaebene mit dem Prozess des Fotografierens auseinandersetzt — nicht mit der Produktion von Bildern: „Ich versuche Kunst zu machen, aber erwarte nicht, dass sich jemand die ins Wohnzimmer hängt.“

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Raumgroße Installationen vs. eindringliche Bildkompositionen, das alles kann Fotografie sein! Vielen Dank an Sebastian und Vesko, dass ihr uns dieses Spannungsfeld an fotografischen Positionen und dem, wofür Fotografie da sein kann, so eindrucksvoll geschildert habt. Danke Nordhausen für diesen spannenden Abend und herzliche Einladung! Wir kommen wieder. Aber erst einmal geht die Reise weiter nach Altenburg.