Das war ZUM LEUCHTEN in Altenburg…

 

Unsere Veranstaltungsreihe »HANT geht auf‘s Land« führt uns auch in die hintersten Winkel Thüringens. Diesmal in die östlichste Ecke, nämlich in das wunderschöne Altenburg. Die Stadt, die dreiseitig von Sachsen eingekreist wird und von der aus man in einer dreiviertel Stunde schon in Leipzig ist, steht nicht unbedingt im Fokus der Thüringischen Aufmerksamkeit. Und das sieht man. Zwar empfangen uns prunkvolle Villafassaden auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt, aber viele bedürfen einer ordentlichen Renovierung.

 

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Dass der Schein der Fassaden, die wiederum sogar schön herausgeputzt sind, manchmal trügt, erfahren wir auch bei unseren Gastgebern. Das engagierte Team vom Altenburger Paul-Gustavus-Haus empfängt uns herzlich und schon finden wir uns auf einer kleinen Privatführung durch das Haus wieder, welches früher einmal eine Malzkafferösterei war. Das Haus wird seit 2009 vom eingetragenen Verein Paul-Gustavus-Haus betrieben und Stück für Stück renoviert. Bei unserem Rundgang bemerken wir schnell, dass die eindrucksvolle und bereits wieder prunkvoll aufgearbeitete Fassade nur ein Bruchteil dessen ist, was an diesem Haus gemacht werden muss. Und gerade deshalb fühlen wir uns hier sehr wohl, denn neben Improvisation an allen Ecken und Enden schlagen uns Gemütlichkeit mit Liebe zum Detail entgegen. So etwas kommt uns aus den eigenen Vereinsräumen in der Erfurter Saline 34 bekannt vor.

 
Der Ofen wird angeheizt, hinter der Bar beginnt reges Treiben und in der Küche werden ein paar Kleinigkeiten zubereitet. Langsam trudeln die ersten Gäste im Ladencafé ein und machen es sich mit einem Wein oder Bier gemütlich. Man kennt sich in Altenburg und dementsprechend familiär ist die Atmosphäre. Auch die beiden Fotografen Jens Paul Taubert und Jörg Neumerkel kennen sich seit Jahren und teilen nicht nur die Liebe zur Fotografie sondern auch die zur Musik.

 
Während im Hintergrund der Ofen knistert, geht es auf der Bühne los. Die ca. 15 Zuschauer, die sich zusammengefunden haben, lauschen gespannt dem ersten Vortragenden Jens Paul Taubert, der von seinem Fotografen-Kollegen nur liebevoll Daddel genannt wird. Warum, das weiß hier wahrscheinlich jeder, nur wir tappen im Dunkeln und freuen uns, über so viel Intimität bei einer ZUM LEUCHTEN Lecture.

 

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Jens Paul Taubert berichtet von seinem Job als Profi-Fotograf und beleuchtet dabei genauer, womit er seinen Lebensunterhalt verdient (u.a. beim Bildermachen auf der gefühlt 150ten Karnickelausstellung) und was er nebenher in seiner Freizeit gerne vor die Linse bringt. Dabei zeigt er Bilder seiner Langzeitserie, in der wir immer wieder teils obskure Bilder vom Männertag zu sehen bekommen. Da werden T-Shirts präsentiert, die auf gar keinen Fall jugendfrei sein können und alkoholisierte Männer, die eine solche Tradition des Männertags zu einer komischen Veranstaltung werden lassen. Aber Taubert ist gerne nah an den Menschen dran, die er porträtiert und das merkt man. Und wenn er dafür bei Regen einen 50m hohen Kran hinaufsteigen muss, um von dort aus den Umbau des Leipziger Bahnhofs festzuhalten, dann tut er auch das.

 

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Sehr schnell entwickelt sich zwischen den beiden Fotografen ein Dialog, der hinterfragt, was denn nun eigentlich die Hobby- von der Profifotografie unterscheidet. Zu einem Ergebnis kommen wir an diesem Abend nicht, eher scheinen die beiden in ihrer Art sich Menschen fotografisch zu nähern, sogar zu ähneln.

 
IMG_8116Dabei erzählt Jörg Neumerkel wie schwer aber gleichzeitig auch schön es ist, den Menschen nahe zu kommen. Für ihn steht als Hobbyfotograf vor allen Dingen der eigene Anspruch im Vordergrund. Erst einmal macht er Fotos für sich selbst und wenn sie dann gut sind, finden sie ihren Weg auch in Ausstellungen oder Fotobücher, die er selbst herstellen lässt. Ein Beispiel, das nachhaltig beeindruckt, ist seine Portraitreihe über Frieda. Sie lebt in einem Südtiroler Bergdorf. Selbst ihre Cousine, die nur ein paar Kilometer weiter weg im nächsten Dorf wohnt, hat sie 20 Jahre lang nicht mehr gesehen, weil immer so viel zu tun ist. Neumerkel will beim Fotogarfieren auch die Facetten eines menschlichen Lebens aufzeigen. »Nur schön ist ja auch Mist.« lässt er verlauten. 
Sein Langzeitprojekt scheint ebenfalls eine echte Männerdomäne zu sein: der jährlich stattfindende Taubenmarkt in Naumburg.

 
Worauf sich Neumerkel und Taubert am Ende einigen können: Fotografen wären Jäger und Sammler, die das Bild nutzen, um Erinnerungen festzuhalten. 
Und auch wir verlassen Altenburg zu später Stunde nur mit den besten Eindrücken und Erinnerungen und hoffen auf ein Wiedersehen im Paul-Gustavus-Haus.

 

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