Unter dem Motto „HANT geht auf’s Land“ fand am Donnerstag, den 10. Dezember 2015, im Thüringer Museum – Stadtschloss in Eisenach eine Lecture mit den Fotografen Jürgen Sieker und Ulrich Kneise statt. Im Rahmen der Vortragsreihe »ZUM LEUCHTEN« besucht das HANT-Magazin für Fotografie unterschiedliche thüringische Städte, um dort die aktuelle Situation der Fotografie mit den eingeladenen Künstlern und dem Publikum zu diskutieren.

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Zusammen mit dem Stadtschloss luden wir zu einem interessanten Schlagabtausch und es kamen knapp 30 Kulturinteressierte und Medienvertreter, die gebannt den Geschichten der beiden erfahreren Fotografen folgten.

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Daraufhin schrieb Norman Meißner in der TLZ: „Jürgen Sieker ist heute äußerst skeptisch Fotozeitschriften gegenüber, weil die präsentierten Bilder kaum noch fesseln, geschweige denn, das Interesse wecken. Beim HANT-Magazin war er jedoch angenehm überrascht.“ Ja, das freut uns.

Die Datenberge bringen mich um

In den nächsten zwei Stunden folgten wir den Rednern in ihre Vergangenheit und damit auch in die gesamtdeutsche Geschichte. Beide begannen mit 12 Jahren zu fotografieren – einer im Westen, der andere im Osten. Diese erste prägende Erfahrung änderte jeweils ihr Leben, jedoch mit verschiedenen Ausgänge. Für Ulrich Kneise war klar: Ich will das beruflich machen. Er wurde Fotojournalist, der sein Beruf mit seiner Passion verband.

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Ulrich Kneise: „Mit 12 wusste ich, dass ich Profifotograf werden will.“

Währenddessen sieht Jürgen Sieker die Fotografie als Hobby. Der Kunsterzieher gönnte sich den Luxus, Teilzeit zu arbeiten und damit noch genug Zeit für seine Fotografie zu behalten. Während sich Kneise vor allem der Dokumentation seiner Heimatstadt Eisenach widmete, reist der Wahl-Eisenacher Sieker durch die gesamte Welt und sucht dort nach bisher Ungesehenem.

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Jürgen Sieker: „Ich mache Bilder für die Wand. Die sollen den Raum verändern.“

Der Eine auf der Suche nach Motiven, die einen selbst überleben, der Andere Türöffner zu fremden Welten: Stars und Sternchen, das Universum des Tanzes und vieles mehr. Jürgen Sieker meint, die Fotografie hat ihn in neue Bereiche gebracht, in die er sonst nie hätte kommen können. Er will Motive machen, „die Brücken aufweisen zu Themen, die menschengemacht sind.“

Dabei eint die beiden eine enorme Professionalität und einen Schatz an Bildern.

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Auch bei der Wahl von analoger und digitalem Medien sind sich die beiden langjährigen Freunde verschieden. Sieker erst wieder durch die digitale Fotografie Lust zum Fotos-Schießen: in seiner „analogen“ Zeit, ging es viel um Planung und war irgendwann zu verkopft, so dass er irgendwann die Lust verlor: „Durch die Digitalfotografie habe ich wieder Spaß am fotografieren, weil das so ein spielerisches Moment hat.“

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Ulrich Kneise: „Ich fühle mich heimatlos gerade.“

„Ich bin ein Dinosaurier“, entgegnet darauf Kneise und meint, dass er die analoge Fotografie braucht, wie die Luft zum Atmen. Fotografie ist für ihn Selbstvergewisserung, denn sie ist Ausdruck des Daseins, des mit der Situationverschmelzens. Denn man kann nur in der Situation sein, wenn man seine Auge vom Monitor löst und der Kamera vertraut. Währenddessem frisst Kneise die Bilderflut innerlich auf: Er beginnt sein Plädoyer mit: „Wenn du die Lust am Fotografieren verlieren willst, dass rate ich dir drei Dinge: 1.Mache eine Galerie auf, 2. Mache es beruflich und 3. Fotografiere digital.“  WP_20151210_20_39_43_Pro

Beides habe er gemacht und nun fühle er sich heimatlos: „Ich kann mir nicht vorstelle, das mich Nullen und Einsen repräsentieren.“

Der fachliche Schlagabtausch war für alle eine spanndendes und Mitreissendes Duell auf Augenhöhe. Ob wir diese Diskussion nicht noch einmal aufleben lassen wollen, fragen uns die Beiden im Anschluss: Aber gern, sagen wir!

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Während die sogenannten Lectures bis jetzt vor allen Dingen in Erfurt und Weimar stattgefunden haben, wagt sich das HANT-Magazin nun auch an Orte, die weiter entfernt von der Landeshauptstadt sind. Den Anfang machten im Oktober die Jugendkunstschule Nordhausen und das Altenburger Paul-Gustavus-Haus, wo wir im November zu Gast sein durften.