War das letzte Magazin „Wiederentdeckung der Wirklichkeit“ ein Magazin, dass sich thematisch mit einer der größten fotografischen Diskurse beschäftigt hat, so ist diese Ausgabe „Zeichen der Zeit“ das wohl bislang politischste Magazin vom Fotoinit e.V.

Für kaum ein anderes Medium ist die Selbstreflexivität, die Frage nach Realität und Wirklichkeit ein derart immanentes Paradoxon wie für die Fotografie und das Videobild. Und es bleibt nicht aus, dass genau diese Eigenschaften dieses Medium zu dem macht, was es heute alles ist und bedeutet: eine allgegenwärtige Flut, ein Indikator für das, was wichtig ist, etwas zum Konsumieren und leicht verständlich zu absorbieren.

Bei all ihrer vermeintlichen Leichtigkeit und Gewohnheit, haben Fotografien jedoch nach wie vor an ihrer Kraft zu irritieren, zu stören, aufzuklären oder schlicht zu zeigen nichts eingebüßt. Sie können Kunst sein, sie können persönlich sein und sie können eben auch politisch sein – am Ende erzählen sie alle eine Geschichte.

Eine Geschichte, die im Hier und Jetzt etwas bewirken kann – im Großen wie im Kleinen. Ob eine Geschichte über den Rechtsruck in Europa und die „German Angst“, die beide fest verwoben sind mit der Angst vor dem Fremden – namentlich häufig mit flüchtigen Menschen begriffen. Oder sie erzählen eine Geschichte über das „Aufstehen“ und auf die „Straße Gehen“ und sich beispielweise zum Protest gegen Weltwirtschaftsabkommen, Unterdrückung von Minderheiten oder Frauen oder für Klima- und Naturschutz einzusetzen.

Oder diese fotografischen Bilder weisen auf eine „Geschichte“ in der Geschichte hin und bringen sie in Verbindung mit aktuellen Tableaus in den modernen Diskurs über Gerechtigkeit zurück: Ob Völkermord oder die gezielte Tötung eines Kindes lassen – einfühlsam erzählt – sowohl Rückschlüsse auf Systemfragen oder das persönliche Emphatiegefüge zu. Oder die Fotografie verhandelt, weil sie eben nicht anders kann, kritisch sich selbst. Sie erzählt so eine Geschichte von ihrer Technizität und verhandelt dabei gleichzeitig Paradigmen des Zeigens, des Bildes – etwas ganz Grundsätzliches. Sie befragt so unseren steten Umgang mit ihr und erzählt – ganz im Vorbeigehen – auch eine Geschichte über uns: die Betrachtenden.

So hat sich auch diese Ausgabe nicht ganz lösen können von der ihr immanenten paradoxen Frage nach Medialität und Rezeption. Nur schreibt sie diesmal eben eine andere Geschichte: Eine prophetische? Eine der Zukunft zugewandte Geschichte? Und damit eine, die etwas Unabbildbares verhandelt? Nein, denn die Zeichen sind da. Sie müssen nur erspürt und erkannt werden.

(Text: Claudia Dell)
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